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Mohnblumen auf einer Wiese vor Bergen

Imagery Rescripting (IRRT): Wie man belastende Erinnerungen in der Vorstellung neu schreibt

Imagery Rescripting IRRT Trauma PTBS Verhaltenstherapie

Geschrieben von Nastassja Volkov · Psychologische Psychotherapeutin

Manche Erinnerungen fühlen sich an, als wären sie gar nicht vorbei. Ein Geruch, ein Tonfall oder eine Situation reicht, und die Bilder sind wieder da, zusammen mit den Gefühlen von damals und Sätzen wie „Ich bin schuld“ oder „Ich war ganz allein“. Imagery Rescripting setzt genau an diesen inneren Bildern an. Man geht in der Vorstellung noch einmal in die belastende Erinnerung und verändert ihren Verlauf. Was damals passiert ist, bleibt dabei, was es war. Verändern kann sich aber, wie sich die Erinnerung anfühlt und was sie über einen selbst aussagt.

Woher die Methode kommt

Die Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy, kurz IRRT, wurde ab 1989 von dem Psychologen Mervyn Schmucker an der University of Pennsylvania entwickelt. In der englischsprachigen Forschung erscheint sein Name als Mervin Smucker. Zuerst beschrieben wurde sie als Behandlung für Erwachsene, die in der Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben (Smucker et al., 1995). Im deutschsprachigen Raum ist die Methode vor allem durch das Praxishandbuch von Schmucker und Köster bekannt. Daneben gibt es eng verwandte Formen des Imagery Rescripting, etwa nach Arnoud Arntz, die auch in der Schematherapie eine wichtige Rolle spielen.

Wie eine Sitzung ablaufen kann

In der IRRT gibt es typischerweise drei Schritte. Zuerst geht man die belastende Erinnerung in der Vorstellung noch einmal durch, mit geschlossenen Augen, in der Gegenwartsform und mit therapeutischer Begleitung. Das klingt beängstigend, und es ist auch oft anstrengend. Gleichzeitig ist man dabei nicht allein, und das Tempo bestimmt man gemeinsam.

Im zweiten Schritt kommt etwas Neues in das Bild. Das heutige, erwachsene Ich tritt in die Szene, stellt sich schützend vor das jüngere Ich, setzt der Person, die verletzt hat, eine Grenze oder holt Hilfe. Man erlebt also in der Vorstellung, was damals nicht möglich war.

Im dritten Schritt wendet sich das erwachsene Ich dem jüngeren Ich zu. Es tröstet, erklärt, sagt, was das Kind damals gebraucht hätte, zum Beispiel „Es war nicht deine Schuld“. Danach wird gemeinsam besprochen, was sich verändert hat und welche alten Überzeugungen dabei sichtbar geworden sind.

Was ich an IRRT persönlich besonders schätze, ist die Selbstwirksamkeit, die darin steckt. Man ist in der Vorstellung nicht mehr nur die Person, der etwas angetan wurde. Man nimmt der Person, die verletzt hat, selbst die Macht, steht für sich ein und tröstet sich selbst. Diese Erfahrung kann sehr stärkend sein.

Die Idee dahinter: Viele belastende Überzeugungen sind in der Situation selbst entstanden, aus der Sicht eines Kindes, das keine andere Erklärung hatte. In der Vorstellung lassen sie sich genau dort ansprechen, wo sie entstanden sind, und nicht nur im Gespräch darüber.

Was die Forschung sagt

Im direkten Vergleich mit EMDR schneidet Imagery Rescripting genauso gut ab. In der bisher größten Vergleichsstudie mit 155 Erwachsenen, die nach Erlebnissen in der Kindheit eine PTBS entwickelt hatten, verringerten sich die Beschwerden mit beiden Verfahren deutlich und ähnlich stark, und nur wenige brachen die Behandlung ab (Boterhoven de Haan et al., 2020). Auch als alleinige Behandlung bei PTBS nach Gewalterfahrungen in der Kindheit zeigte Imagery Rescripting deutliche Verbesserungen gegenüber einer Wartegruppe (Raabe et al., 2022). Eine Auswertung von 19 Studien fand außerdem große Effekte, vor allem bei PTBS und sozialer Angst (Morina et al., 2017).

Der Unterschied zu EMDR liegt vor allem in der Menge der Forschung. Zu EMDR gibt es deutlich mehr Studien, zu Imagery Rescripting bisher weniger, und die großen neueren Studien untersuchen vor allem die Variante nach Arntz. Deshalb nennt die aktuelle deutsche S3-Leitlinie zur PTBS von 2026 EMDR ausdrücklich unter den Verfahren mit besonders robuster Evidenz, Imagery Rescripting dagegen noch nicht. Grundsätzlich empfiehlt die Leitlinie eine traumafokussierte Psychotherapie, also eine Behandlung, die sich direkt mit den belastenden Erinnerungen beschäftigt, und Imagery Rescripting gehört zu diesen Ansätzen. Mehr zu EMDR steht im Artikel EMDR: Was hinter der Methode steckt.

Was man vorher wissen sollte

Die Arbeit mit Erinnerungen kann aufwühlend sein, auch in den Tagen nach einer Sitzung. Deshalb wird vorher gemeinsam geschaut, ob es genug Stabilität gibt und welche Möglichkeiten man hat, sich zu beruhigen. Manchmal ist es sinnvoll, sich zuerst damit zu beschäftigen, bevor man an einzelnen Erinnerungen arbeitet.

Manche fragen sich, ob die Arbeit mit inneren Bildern ihre Erinnerung verändert, etwa wenn noch ein Strafverfahren ansteht und sie dort aussagen sollen. Die S3-Leitlinie beschreibt, dass ältere Untersuchungen das für Verfahren mit Vorstellungsbildern und für EMDR befürchtet haben, neuere Studien dies aber infrage stellen. Sie empfiehlt, traumafokussierte Psychotherapie nach ausführlicher Aufklärung auch bei einem laufenden oder ausstehenden Gerichtsverfahren anzubieten. Wer in dieser Situation ist, bespricht das am besten vor Beginn der Therapie, gern auch mit der eigenen Anwältin oder dem eigenen Anwalt.

Imagery Rescripting wird übrigens nicht nur nach Traumatisierungen eingesetzt. Auch bei sozialer Angst oder belastenden Erinnerungen an Beschämung, Mobbing oder Zurückweisung kann es hilfreich sein, an den Bildern zu arbeiten, die bis heute mitlaufen.

Für viele ist der Gedanke ungewohnt, eine Erinnerung in der Vorstellung zu verändern. Vergangenes lässt sich nicht ungeschehen machen. Gleichzeitig muss man es nicht für immer so erleben, als wäre man noch dort, allein und ohne Schutz. Wer mehr darüber lesen möchte, was ein Trauma im Körper auslöst, findet das im Artikel Trauma und PTBS.

Quellen


Nastassja Volkov ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) und arbeitet in der Traumatherapie mit Imagery Rescripting nach IRRT, online und ab Dezember 2026 auch in ihrer Praxis in Köln-Nippes. Außerdem arbeitet sie mit EMDR.

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