
Immer wieder derselbe Streit: Warum Paare sich im Kreis drehen
Geschrieben von Nastassja Volkov · Psychologische Psychotherapeutin
Es beginnt mit der Spülmaschine, dem Handy am Esstisch oder der Frage, wer das Wochenende plant. Und nach ein paar Sätzen ist man wieder genau da, wo man schon so oft war, mit den bekannten Vorwürfen und hinterher demselben unguten Gefühl. Viele Paare kennen das und fragen sich irgendwann, ob mit ihrer Beziehung etwas grundsätzlich nicht stimmt.
Dabei ist es ziemlich normal, dass Paare immer wieder über ähnliche Themen streiten.
Manche Konflikte bleiben
Der amerikanische Paarforscher John Gottman hat beobachtet, dass ein großer Teil der Konflikte in Beziehungen dauerhaft ist. Sie entstehen aus Unterschieden in Persönlichkeit, Bedürfnissen oder Werten, etwa beim Umgang mit Geld, Nähe und Distanz oder Ordnung. Solche Unterschiede verschwinden selten vollständig, auch nicht in glücklichen Beziehungen.
Das kann erst einmal ernüchternd klingen. Gleichzeitig nimmt es auch Druck heraus: Es geht dann weniger darum, einen Streit endgültig zu gewinnen oder ein Thema für immer zu lösen, und mehr darum, wie man als Paar damit umgeht.
Das Muster hinter dem Thema
Oft ist das eigentliche Thema gar nicht so entscheidend wie das Muster, das sich dabei immer wieder abspielt. Ein häufiges Muster sieht so aus: Eine Person spricht ein Problem an, wird drängender, wenn sie keine Reaktion bekommt, und fühlt sich nicht gehört. Die andere Person erlebt das als Kritik, zieht sich zurück, wird still oder verlässt den Raum. Je mehr die eine drängt, desto mehr zieht sich die andere zurück, und umgekehrt.
Beide erleben sich dabei oft als diejenige Person, die eigentlich nur reagiert. “Ich werde ja nur laut, weil du nie antwortest” trifft auf “Ich sage ja nur nichts, weil du sofort so laut wirst”. Und so dreht sich der Kreis weiter, obwohl beide eigentlich dasselbe wollen: sich verbunden und verstanden fühlen.
Was unter dem Streit liegt
Hinter vielen Vorwürfen stehen Bedürfnisse, die im Streit schwer zu erkennen sind. Hinter “Du hilfst nie im Haushalt” steckt vielleicht “Ich fühle mich allein gelassen”. Hinter dem Rückzug vielleicht “Ich habe Angst, dass ich es sowieso nicht richtig machen kann”. Wenn diese Ebene sichtbar wird, verändert sich oft auch der Ton, weil es plötzlich weniger um Schuld geht und mehr um zwei Menschen, die sich beide gerade nicht gut fühlen.
Was im Alltag helfen kann
Hilfreich kann es sein, das Muster gemeinsam zu benennen, am besten in einem ruhigen Moment und nicht mitten im Streit. Manche Paare geben ihm sogar einen Namen, etwa “unser Spülmaschinen-Tanz”. Dann lässt sich im nächsten Streit leichter sagen: “Ich glaube, wir sind gerade wieder drin.”
Auch eine vereinbarte Pause kann helfen, wenn die Anspannung zu hoch wird. Wichtig ist dabei, dass die Pause nicht wie ein Abbruch wirkt, sondern mit einem klaren Zurückkommen verbunden ist, etwa: “Ich brauche zwanzig Minuten, dann reden wir weiter.” Und manchmal lohnt sich die Frage an sich selbst: Was wünsche ich mir gerade eigentlich von meinem:meiner Partner:in?
Wann Paartherapie sinnvoll sein kann
Wenn Paare merken, dass sie trotz guter Vorsätze immer wieder im selben Kreislauf landen, kann Paartherapie ein Rahmen sein, um das Muster gemeinsam mit einer dritten Person anzuschauen. Von außen lässt sich oft leichter erkennen, was sich zwischen zwei Menschen abspielt, und in der Sitzung ist Raum, auch die Gefühle und Bedürfnisse unter dem Streit auszusprechen. Mehr dazu, wann sich Paartherapie lohnen kann, steht in diesem Artikel.
Nastassja Volkov ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin und bietet Paartherapie online und ab Dezember 2026 auch vor Ort in Köln-Nippes an, auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Russisch.