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Frau schaut nachdenklich aus dem Fenster

Regretting Motherhood: Wenn man die Mutterschaft bereut

MutterschaftRegretting MotherhoodAmbivalenzPsychotherapie

Geschrieben von Nastassja Volkov · Psychologische Psychotherapeutin

Zwanzig Prozent der Eltern in Deutschland gaben in einer YouGov-Befragung aus dem Jahr 2015 an, die Entscheidung, Kinder zu bekommen, zu bereuen. Befragt wurden über 2.000 Eltern. Ein Gefühl, über das kaum jemand spricht, und für das es lange keinen Namen gab.

Diesen Namen hat die Soziologin Orna Donath geprägt, als sie 2015 qualitative Interviews mit Müttern veröffentlichte, die genau das sagten: dass sie die Mutterschaft als Lebensform bereuten, nicht weil sie ihre Kinder nicht liebten, sondern weil diese Rolle für sie falsch war. Die Reaktionen reichten von Erleichterung bis Empörung. Für manche war es das erste Mal, dass sie einen Begriff für etwas fanden, das sie schon lange heimlich fühlten.

Was Regretting Motherhood bedeutet – und was nicht

Regretting Motherhood ist kein Synonym für “ich liebe mein Kind nicht”. Das ist der Punkt, den Donath in ihrer Forschung immer wieder betont. Viele der Frauen, die sie interviewte, liebten ihre Kinder sehr. Was sie bereuten, war nicht das Kind, sondern die Institution Mutterschaft: die Rolle, die damit verbunden ist, das Selbstbild, das man aufgeben oder neu aushandeln muss, die gesellschaftliche Erwartung an Erfüllung und Aufopferung.

Das klingt abstrakt, fühlt sich aber oft sehr konkret an: das Gefühl, sich in dieser Rolle nicht wiederzufinden, der Gedanke, ohne Kinder ein leichteres Leben geführt zu haben, eine Erschöpfung, die nicht nachlässt, und dazu die Scham, überhaupt solche Gedanken zu haben.

Warum so wenige darüber sprechen

Mutterschaft ist in unserer Gesellschaft mit einem Narrativ verknüpft, das wenig Raum für Ambivalenz lässt. Man wird Mutter und wird glücklicher. Man wächst daran. Die Kinder sind das Beste, was einem je passiert ist. Dieses Narrativ ist für viele Mütter wahr. Für andere ist es eine Erwartung, der sie nicht entsprechen können, egal wie sehr sie es versuchen.

Wer nicht ins Bild passt, schweigt meistens: aus Angst vor Verurteilung, aus Sorge um das eigene Kind, das das irgendwann lesen könnte, aus Scham. Gleichzeitig führt dieses Schweigen dazu, dass viele Mütter glauben, als einzige so zu fühlen.

Dabei sind solche Gefühle verbreiteter, als die öffentliche Stille vermuten lässt. Sie werden nur kaum geäußert, weil die soziale Reaktion darauf so vorhersehbar ist.

Der Unterschied zwischen Ambivalenz und klinischer Belastung

Wichtig ist hier eine Unterscheidung: Ambivalenz gegenüber der eigenen Mutterrolle ist kein Symptom einer psychischen Erkrankung, sondern eine menschliche Reaktion auf eine Lebenssituation, die tiefgreifend und nicht revidierbar ist. Viele Mütter erleben Phasen, in denen sie sich fragen, ob sie die richtige Entscheidung getroffen haben, und kommen zu dem Schluss, dass es trotzdem gut ist, dass es so ist.

Wo Unterstützung hilfreich wird, ist dann, wenn diese Gedanken zu einer anhaltenden psychischen Belastung werden: wenn das schlechte Gewissen so stark ist, dass es den Alltag bestimmt, wenn sich die Erschöpfung zu Burnout oder einer depressiven Verstimmung ausweitet, wenn man das Gefühl hat, in der Mutterrolle zu verschwinden und sich selbst zu verlieren. Das ist kein Scheitern, sondern ein Zeichen, dass man Unterstützung braucht.

Was hilft

Psychotherapie kann helfen, diese Gefühle einzuordnen, ohne sie wegzureden oder zu pathologisieren. Gleichzeitig ist der Austausch mit anderen Müttern, in einem sicheren, vertraulichen Rahmen, für viele eine Erleichterung, nicht weil man dort Lösungen findet, sondern weil man merkt, dass man nicht allein ist.

Das muss aber nicht zwingend sein. Für viele ist es schon viel wert, wenn sie das erste Mal ohne Angst vor Verurteilung sagen können, was sie wirklich fühlen.


Nastassja Volkov ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin und leitet eine Gruppentherapie für Mütter — online und ab Januar 2027 auch vor Ort in Köln. Die Gruppe ist ein geschützter Raum für genau diese Themen.

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