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Erwachsene in einer Online-Gruppe

ADHS im Erwachsenenalter: Was nach der Diagnose kommt

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Geschrieben von Nastassja Volkov · Psychologische Psychotherapeutin

Die Diagnose kommt oft später als erwartet. Manche erfahren es mit 30, manche mit 45, manche weil ihre Kinder diagnostiziert wurden und sie beim Lesen des Diagnosebeschreibung gedacht haben: Das klingt wie ich. Und dann sitzt man da mit diesem Zettel – oder dieser E-Mail vom Psychiater – und weiß nicht genau, was man damit anfangen soll.

Einerseits: Erleichterung. Endlich ein Name für das, was schon immer so anstrengend war. Das chronische Zu-spät-kommen-trotz-Vorsatzes, die Schreibtischstapel, die Unfähigkeit, einfach anzufangen. Das Gefühl, dass man sich mehr anstrengt als alle anderen und trotzdem nie wirklich mitkommt.

Gleichzeitig kommen die Fragen. Was bedeutet das jetzt? War das immer so? Hätte man früher mehr darauf achten müssen? Und vor allem: Was macht man jetzt damit?

Die Diagnose erklärt rückwirkend viel – aber nicht alles

Eine der ersten Reaktionen, die viele beschreiben, ist eine Art rückwirkendes Verstehen. Die Schule, die immer so zäh war. Die Jobs, bei denen man nie so richtig ankam. Die Beziehungen, in denen man vergaß, zurückzuschreiben. Das bekommt plötzlich einen anderen Rahmen.

Das kann entlastend sein. ADHS ist keine Charakterschwäche, keine Faulheit und kein Ausdruck davon, dass man sich nicht genug kümmert. Es ist eine neurobiologische Besonderheit, die beeinflusst wie das Gehirn Aufmerksamkeit, Motivation und Impulse reguliert. Mit anderen Worten: der Startknopf funktioniert anders, nicht gar nicht.

Gleichzeitig – und das ist wichtig – erklärt die Diagnose nicht alles. Nicht jede Schwierigkeit im Leben ist ADHS. Und die Diagnose allein verändert noch nichts am Alltag.

Was sich nach der Diagnose verändern kann

Manche starten mit Medikamenten, andere nicht. Stimulanzien können bei ADHS sehr wirksam sein, aber sie sind kein Muss und kein Allheilmittel. Ob das eine Option ist, klärt man mit der Psychiaterin oder dem Psychiater, die die Diagnose gestellt haben.

Was unabhängig davon hilft: Strategien. Nicht die allgemeinen „mach doch einfach eine To-do-Liste”-Ratschläge, sondern wirklich auf ADHS zugeschnittene Ansätze. Wie plant man, wenn Zeitgefühl ohnehin ein schwieriges Thema ist? Wie fängt man an, wenn der Kopf wie festgenagelt wirkt? Wie geht man mit den Emotionen um, die bei ADHS häufig intensiver und kurzlebiger sind als bei anderen?

Das sind die Fragen, bei denen Psychotherapie ansetzen kann – nicht indem man ADHS „wegtherapiert”, sondern indem man lernt, mit dem eigenen Gehirn zu arbeiten statt gegen es.

Was Gruppentherapie dabei leisten kann

Es gibt etwas, das Einzeltherapie so nicht bietet: den Austausch mit Menschen, die es von innen kennen. Nicht als Ratschlag, nicht als Erklärung von außen – sondern als geteilte Erfahrung.

„Ich hab das auch” klingt nach wenig. Ist es aber nicht, wenn man jahrelang das Gefühl hatte, mit seinen Schwierigkeiten allein zu sein. Oder wenn man sich immer wieder erklären musste und nie das Gefühl hatte, wirklich verstanden zu werden.

In einer therapeutisch geleiteten Gruppe für Erwachsene mit ADHS passiert beides gleichzeitig: strukturierte Inhalte – Psychoedukation, konkrete Strategien, verhaltenstherapeutische Ansätze – und der Raum, die eigenen Erfahrungen einzubringen und zu hören, wie andere damit umgehen.

Das ersetzt keine Einzeltherapie bei komplexeren Themen. Aber für viele ist die Gruppe ein guter erster Schritt, weil sie niedrigschwelliger ist, bezahlbarer – und weil die Wirkung des gegenseitigen Erkennens nicht zu unterschätzen ist.

Wie es weitergeht

Es gibt kein Muss nach einer ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter. Keine Pflichtschritte, keine richtige Reihenfolge. Manche möchten sofort etwas unternehmen, andere brauchen erst Zeit, um die Diagnose zu verarbeiten.

Was hilfreich ist: sich zu informieren, das eigene Erleben besser zu verstehen – und zu schauen, welche Unterstützung wirklich zu einem passt. Nicht jede Strategie funktioniert für jeden. Nicht jedes Setting passt. Das ist kein Zeichen dafür, dass Unterstützung nichts bringt, sondern dafür, dass man das richtige für sich noch sucht.


Wie eine ADHS-Diagnostik abläuft und was sie kostet, steht in diesem Artikel, den Unterschied zwischen Selbsthilfegruppe und Gruppentherapie erkläre ich hier. Ab Januar 2027 biete ich zwei Gruppentherapie-Angebote für Erwachsene mit ADHS an: eine Online-Gruppe und eine Gruppe vor Ort in Köln. Je 8 Termine à 100 Minuten, kleine Gruppe, therapeutisch geleitet. Für privat Versicherte übernimmt die PKV die Kosten meist vollständig, Selbstzahler zahlen 75,77 € pro Sitzung.

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