
ADHS-Selbsthilfegruppe oder Gruppentherapie? Der Unterschied und was zu einem passt
Geschrieben von Nastassja Volkov · Psychologische Psychotherapeutin
Wer als Erwachsene:r mit ADHS nach Austausch sucht, stößt schnell auf zwei Begriffe: Selbsthilfegruppe und Gruppentherapie. Beides klingt ähnlich, und in beiden sitzt man mit anderen zusammen, die ADHS aus eigener Erfahrung kennen. Gleichzeitig unterscheiden sich die beiden Angebote ziemlich deutlich, und je nachdem, was man gerade sucht, passt das eine oder das andere besser.
Was eine ADHS-Selbsthilfegruppe ist
Eine Selbsthilfegruppe wird von Betroffenen selbst organisiert. Man trifft sich regelmäßig, oft einmal im Monat, erzählt, was gerade los ist, tauscht Tipps aus und merkt, dass andere ganz ähnliche Erfahrungen machen. Eine Fachperson leitet die Gruppe in der Regel nicht, und die Teilnahme ist meist kostenlos oder kostet nur einen kleinen Beitrag.
Für viele ist genau das sehr wertvoll: ein Ort, an dem man nicht erklären muss, warum man schon wieder einen Termin vergessen hat. Selbsthilfegruppen gibt es inzwischen auch online. Vermittelt werden sie zum Beispiel über den Verband ADHS Deutschland e.V. oder über lokale Selbsthilfe-Kontaktstellen.
Was eine ADHS-Gruppentherapie ist
Eine Gruppentherapie wird von einer Psychotherapeut:in geleitet und folgt einem festen Rahmen. Bei ADHS verbindet sie meist drei Dinge: Wissen über ADHS, also warum das eigene Gehirn so funktioniert, wie es funktioniert, dann konkrete Strategien für den Alltag, zum Beispiel für Organisation, Aufschieben oder starke Gefühle, und schließlich den Austausch in der Gruppe, der von der Therapeut:in begleitet wird.
Weil die Gruppe fachlich geleitet ist, ist auch Raum für schwierigere Themen wie Selbstzweifel, Erschöpfung oder belastende Erfahrungen, die in einer Selbsthilfegruppe manchmal schwer aufzufangen sind. Eine Gruppentherapie ist eine Heilbehandlung und wird deshalb von privaten Krankenversicherungen und der Beihilfe je nach Vertrag erstattet. Selbstzahler:innen zahlen sie selbst.
Was passt zu mir?
Ein paar Fragen können bei der Entscheidung helfen: Suche ich vor allem Austausch und das Gefühl, nicht allein zu sein? Dann kann eine Selbsthilfegruppe ein guter Anfang sein. Wünsche ich mir zusätzlich fachliches Wissen, Strategien, die ich gezielt ausprobieren kann, und eine Begleitung, wenn es um belastende Themen geht? Dann passt eher eine Gruppentherapie.
Für viele ist es auch gar keine Entweder-oder-Frage. Manche beginnen mit einer Gruppentherapie und gehen danach in eine Selbsthilfegruppe, um den Austausch langfristig zu behalten. Andere nutzen beides parallel.
Online oder vor Ort?
Sowohl Selbsthilfegruppen als auch Gruppentherapien gibt es inzwischen online. Online-Gruppen haben den Vorteil, dass der Weg wegfällt und man aus ganz Deutschland teilnehmen kann, was gerade bei ADHS hilfreich sein kann, weil ein Termin weniger organisiert werden muss. Vor Ort entsteht für manche schneller ein Gefühl von Verbindung. Auch hier gilt: Es kommt darauf an, was im eigenen Alltag gerade besser funktioniert.
Die ADHS-Gruppe bei mir
Ab Januar 2027 leite ich zwei therapeutische ADHS-Gruppen für Erwachsene, eine online per Video und eine vor Ort in Köln-Nippes. Beide umfassen 8 Sitzungen à 100 Minuten mit 6 bis 9 Teilnehmenden und sind verhaltenstherapeutisch strukturiert, mit Psychoedukation, gezielten Übungen für den Alltag und therapeutisch begleitetem Austausch. Eine bereits gestellte ADHS-Diagnose ist keine Voraussetzung. Die Gruppen richten sich an Erwachsene, die im Alltag unter ihren ADHS-Symptomen leiden. Alle Details stehen auf der Seite ADHS-Gruppe online und in Köln.
Nastassja Volkov ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) mit Zusatzausbildung in Gruppentherapie. Sie leitet ab Januar 2027 eine ADHS-Gruppentherapie für Erwachsene, online und vor Ort in Köln-Nippes.
Zum Ausprobieren
Kostenloses Arbeitsheft: ADHS im Alltag
Ein erster Schritt im eigenen Tempo: 13 Fragen und zwei kleine Übungen zur Selbstreflexion, zum Ausdrucken und Ausfüllen (PDF, 7 Seiten).