Zum Hauptinhalt springen
Zurück zum Blog
Füller liegt auf mehreren Papierblättern

Was kostet eine ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen? Ablauf, Kosten und warum Gründlichkeit so wichtig ist

ADHSDiagnostikKostenErwachseneGOPSelbstzahler

Geschrieben von Nastassja Volkov · Psychologische Psychotherapeutin

“Was kostet eigentlich eine ADHS-Diagnostik?” ist eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden. Viele haben schon länger den Verdacht, dass ADHS hinter ihren Schwierigkeiten stecken könnte, und stoßen dann auf lange Wartelisten bei Spezialambulanzen und psychiatrischen Praxen. Gleichzeitig ist oft unklar, was eine private Diagnostik kostet, was dabei eigentlich passiert und ob das Geld gut angelegt ist.

Was zu einer gründlichen ADHS-Diagnostik gehört

Eine ADHS-Diagnose lässt sich nicht mit einem einzelnen Fragebogen stellen. Zu einer strukturierten Diagnostik bei Erwachsenen gehören in der Regel mehrere Bausteine: ausführliche Gespräche über die aktuellen Schwierigkeiten, eine biografische Anamnese, ein strukturiertes diagnostisches Interview, zum Beispiel das DIVA, und Fragebögen zur ADHS-Symptomatik und zur Abgrenzung von anderen Störungen.

Weil ADHS schon in der Kindheit beginnt, spielt der Blick zurück eine wichtige Rolle. Hilfreich sind dafür zum Beispiel alte Grundschulzeugnisse, in denen Lehrkräfte oft erstaunlich genau beschrieben haben, was damals auffiel. Dazu kommt häufig eine Fremdanamnese, also ein Gespräch mit einer nahestehenden Person wie Eltern, Partner:in oder Geschwistern, die einen aus einer anderen Perspektive kennt. Am Ende stehen die Einschätzung des psychischen Befundes und eine Besprechung der Ergebnisse.

Warum Gründlichkeit so wichtig ist

ADHS kommt selten allein. Viele Erwachsene mit ADHS erleben zusätzlich depressive Phasen, Ängste, Schlafprobleme oder Erschöpfung, oft als Folge davon, dass sie sich jahrelang durchgekämpft haben. Diese sogenannten Komorbiditäten sollten erkannt werden, weil sie für die Behandlung genauso wichtig sind wie das ADHS selbst.

Gleichzeitig gibt es Konstellationen, in denen sich die Symptome stark mit etwas anderem überschneiden. Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, Vergesslichkeit oder starke Gefühlsschwankungen können auch bei einer komplexen Traumafolgestörung auftreten, bei einer Depression, bei dauerhaftem Stress oder Schlafmangel. Von außen sieht das manchmal sehr ähnlich aus, dahinter können aber ganz unterschiedliche Ursachen stehen, die jeweils eine andere Behandlung brauchen. Mehr dazu, wie sich eine komplexe PTBS zeigen kann, steht in diesem Artikel. Körperliche Ursachen, zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung, sollten außerdem ärztlich abgeklärt werden.

Besonders wichtig finde ich eine sorgfältige Abklärung, wenn Medikamente im Raum stehen. Medikamente gegen ADHS können für viele eine große Entlastung sein. Gerade deshalb sollte die Diagnose, auf der eine solche Behandlung aufbaut, möglichst gut begründet sein. Ich nehme mir für die Diagnostik deshalb bewusst Zeit, auch wenn das bedeutet, dass sie mehrere Termine umfasst. Das gilt besonders, wenn die Diagnostik online stattfindet. Per Video können manche Beobachtungen verloren gehen, die im selben Raum selbstverständlich wären, zum Beispiel wie unruhig jemand über eine längere Zeit sitzt. Gerade dann bin ich bei der Abklärung noch etwas vorsichtiger und beziehe zusätzliche Informationsquellen wie Zeugnisse oder die Einschätzung von Angehörigen besonders sorgfältig ein.

Was die Krankenkasse übernimmt

Mit gesetzlicher Krankenversicherung ist eine ADHS-Diagnostik bei psychiatrischen Praxen, Spezialambulanzen oder Psychotherapeut:innen mit Kassensitz kostenlos. Die Wartezeiten sind dort allerdings oft lang, nicht selten viele Monate. Wer nicht so lange warten möchte, kann die Diagnostik in einer Privatpraxis als Selbstzahler:in machen. Private Krankenversicherungen und Beihilfe übernehmen die Kosten einer Diagnostik je nach Vertrag, eine kurze Rückfrage vorab lohnt sich.

Was eine ADHS-Diagnostik privat kostet

Privatpraxen rechnen nach der Gebührenordnung für Psychotherapeut:innen (GOP) ab. Wie das System mit Punkten und Steigerungssätzen funktioniert, habe ich im Artikel Was kostet Psychotherapie privat? ausführlich erklärt. Für eine gründliche ADHS-Diagnostik kommen typischerweise diese Leistungen in Frage:

Leistung Nummer Betrag
Gespräch zur Anamnese und Befundbesprechung, 50 Minuten, meist 3 Termine (3,5-fach) 870 153,00 € je Termin
Biografische Anamnese mit schriftlicher Aufzeichnung, einmalig 860a 123,34 €
Strukturiertes diagnostisches Interview, z. B. DIVA, das bis zu 90 Minuten dauern kann (2,5-fach, Höchstsatz) 855a 105,21 €
Testbatterie mit Fragebögen zur ADHS-Symptomatik und Differenzialdiagnostik (2,5-fach, Höchstsatz) 855a 105,21 €
Fremdanamnese mit einer nahestehenden Person, z. B. telefonisch oder beim Interview (2,3- bis 3,5-fach, je nach Aufwand) 4 29,49 € bis 44,88 €
Ausführliche Erhebung des psychischen Befundes, einmalig 801a 33,52 €
Einfacher schriftlicher Befundbericht, auf Wunsch 75 17,43 €

Damit kommt eine gründliche Diagnostik in der Regel auf etwa 870 €, bei aufwendigeren Fällen mit einem zusätzlichen Gespräch auf bis zu etwa 1.040 €. Gespräche und Testverfahren sind dabei mit erhöhten Sätzen angesetzt, weil Vorbereitung, Durchführung, Auswertung und die Abgrenzung zu anderen Ursachen deutlich mehr Zeit brauchen, als die Gebührenordnung vorsieht. Für die Gespräche wird das vor Beginn in einer schriftlichen Honorarvereinbarung festgehalten. Beträge oberhalb des Regelsatzes erstatten PKV und Beihilfe nicht immer vollständig.

In meiner Praxis rechne ich eine ADHS-Diagnostik für Selbstzahler:innen genau so ab, wie in diesem Beispiel beschrieben. Der psychische Befund wird dabei einmal ausführlich erhoben und berechnet, die kürzere Einschätzung in den weiteren Gesprächen ist im höheren Satz der Gespräche berücksichtigt. Wer die Rechnung bei einer privaten Krankenversicherung oder der Beihilfe einreicht, dem rechne ich die Gespräche dagegen als Kurzzeittherapie (812a) zum Regelsatz von 2,3 ab und den psychischen Befund (801a) in jedem Gespräch einzeln, ebenfalls zum Regelsatz, damit sie in der Regel vollständig erstattet werden. Die Testverfahren bleiben beim Höchstsatz, ob diese ganz übernommen werden, hängt vom jeweiligen Tarif ab. Berechnet werden in jedem Fall nur die Leistungen, die tatsächlich erbracht werden. Vor Beginn bekommt man eine schriftliche Honorarinformation, in der alle Leistungen und Beträge aufgeführt sind.

Woran man eine gründliche Diagnostik erkennt

Im Internet finden sich inzwischen auch deutlich günstigere Angebote, manche mit einer Diagnose nach wenigen Fragebögen oder einem einzigen kurzen Gespräch. Das kann verlockend sein, gerade nach langer Wartezeit. Gleichzeitig lohnt es sich, genauer hinzuschauen, denn eine Diagnose begleitet einen oft viele Jahre und ist manchmal die Grundlage für eine Behandlung mit Medikamenten.

Ein paar Fragen, die bei der Auswahl helfen können: Wird die Diagnostik von einer approbierten Psychotherapeut:in oder einer Fachärzt:in durchgeführt? Umfasst sie mehrere Termine und ein persönliches Gespräch, nicht nur Fragebögen? Wird die Kindheit einbezogen, etwa über Zeugnisse oder eine Fremdanamnese? Und werden andere mögliche Ursachen der Symptome, zum Beispiel eine Depression oder eine Traumafolgestörung, sorgfältig mitgeprüft? Wenn das alles dazugehört, ist man meist gut aufgehoben, auch wenn es mehr Zeit und Geld kostet.

Der Befundbericht

Am Ende der Diagnostik besprechen wir die Ergebnisse ausführlich. Wer möchte, bekommt zusätzlich einen schriftlichen Befundbericht mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und der Diagnose, zum Beispiel für die weitere ärztliche Behandlung. Der Bericht wird gesondert abgerechnet. Ein ausführliches psychologisches Gutachten ist etwas anderes und nicht Teil der üblichen Diagnostik.

Und danach?

Eine Diagnose ist für viele erst einmal eine Erleichterung, und gleichzeitig kommen neue Fragen: Was bedeutet das jetzt für meinen Alltag, meine Arbeit, meine Beziehungen? Medikamente verordnen Ärzt:innen, meist Psychiater:innen, die dafür manchmal auch eine eigene Einschätzung vornehmen. Psychotherapeutisch kann es danach darum gehen, das eigene ADHS besser zu verstehen und Strategien zu finden, die wirklich zum eigenen Kopf passen.

Nicht jede:r möchte oder braucht dafür gleich eine Therapie. Manchmal geht es erst einmal nur um die Frage: Okay, da ist eine Neurodivergenz, und wie gehe ich jetzt damit um? Und auch wenn sich keine ADHS-Diagnose bestätigt, bleiben ja die Schwierigkeiten, die einen zur Diagnostik gebracht haben. Dann stellt sich eher die Frage, was das Ergebnis für einen bedeutet und was stattdessen dahinterstecken könnte. Für beides biete ich nach der Diagnostik auch einzelne Sitzungen an, um das Ergebnis einzuordnen, erste Schritte für den Alltag zu überlegen und zu schauen, welche Unterstützung passen könnte. Für viele ist außerdem die ADHS-Gruppe ein guter nächster Schritt. Was nach einer Diagnose sonst noch kommen kann, habe ich in diesem Artikel beschrieben.


Nastassja Volkov ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) und bietet ADHS-Diagnostik für Erwachsene an. Ab Januar 2027 leitet sie eine ADHS-Gruppentherapie für Erwachsene, online und vor Ort in Köln-Nippes.

Zum Ausprobieren

Kostenloses Arbeitsheft: ADHS im Alltag

Ein erster Schritt im eigenen Tempo: 13 Fragen und zwei kleine Übungen zur Selbstreflexion, zum Ausdrucken und Ausfüllen (PDF, 7 Seiten).

Kostenlos herunterladen
Termin vereinbaren